Ein guter Rat von Erzbischof Lefèbvre

Aus einem Vortrag von Erzbischof Lefèbvre in Angers (1980)

„Heute stehen wir vor den gleichen Schwierigkeiten. Wir müssen die Irrtümer zurückweisen und fest bleiben, bis ein Papst nach dem Vorbild des hl. Papst Pius X. wiederkehrt. Dann wird es keine Probleme mehr geben. Die heilige Kirche wird uns in der Wahrheit wiederfinden und wir werden mit dem Papst hundertprozentig vereint sein, der zur Tradition zurückgefunden hat. Ich werde dann vermutlich nicht mehr auf dieser Erde weilen. Man muß dennoch hoffen, daß diese Angelegenheiten mit Papst Johannes Paul II. in Ordnung kommen.
Wir verlangen vielleicht lediglich, daß über die theoretischen Probleme nicht zu viel diskutiert wird. Fragen, die uns spalten, wie zum Beispiel die Frage über die Religionsfreiheit, sollte man dahingestellt sein lassen. Man ist nicht dazu verpflichtet, alle diese Probleme sofort zu lösen. Die Zeit wird eher Klarheit und eine Lösung bringen.
Ich habe es bereits einpaar mal erwähnt. Der Papst sollte uns in der Praxis das Experiment der Tradition machen lassen. Man könnte mir erwidern: „Sie können dieses Experiment doch durchführen!“ Stellen Sie sich vor, der Papst würde zu den Bischöfen sagen: „Laßt sie in Ruhe! Laßt sie gewähren! Sie machen nichts anderes, als das, was wir unser halbes Leben, oder zwei Drittel unseres Lebens getan haben. Laßt sie gewähren. Man wird sehen, was geschieht.“ Das ist das einzige, was wir verlangen!Ich bin davon überzeugt, daß in diesem Augenblick die Wahrheit zu ihrem Recht kommen wird. Die Tradition wird ihren wahren Platz finden und die Kirche wird eine neue Jugend erleben“

Das „Experiment der Tradition“ wäre genau die richtige Leitlinie für eine Einigung zwischen Rom und der Piusbruderschaft. Alle traditionellen und traditionalistischen Gruppen müssen wirklich gleiche Bedingungen erhalten. Sie müssen neben den bestehenden Diözesen weltweit operieren dürfen, ohne von den lokalen Bischöfen in dieser Tätigkeit beschränkt zu werden.

Bereits heute sieht der aufmerksame Beobachter den Niedergang der sich an die Moderne anpassenden Kirche. Es gibt keinen Nachwuchs, kaum neue Priester, Seminare werden geschlossen, Kirchen verkauft, Gemeinden (und bald auch Bistümer) zusammengelegt. Das Ende nähert sich schneller als den verbandskatholischen Eliten und so manchem Bischof lieb ist.

In scharfem Kontrast steht dazu die fortdauernde Vitalität der Kirche, wo immer die Tradition hochgehalten wird, egal ob es sich um die Ecclesia Dei-Gemeinschaften, die Piusbruderschaft, oder auch die eine oder andere sehr konservative „Novus Ordo“-Gemeinschaft handelt. Dort gibt es den dringend benötigten Nachwuchs, dort sind junge Familien, besonders auch junge Männer. Dort liebt man die Kirche, und versucht ihren Glauben auch in seinen herausfordernden Teilen zu leben.

An ihren Früchten sollen wir sie erkennen. Die traditionellen Teile der Kirche machen bereits heute vor, wie eine wahre Erneuerung des Glaubens auszusehen hat, wie die Kirche ihre Krise überwinden kann, obwohl sie durch modernistische Laien, Priester und selbst Bischöfe behindert werden. Wie viel mehr könnten sie für die Kirche tun, wenn sie unabhängig von diesen hindernden Einflussen agieren könnten.

Kurzum: Es geht darum, einen echten freien Wettbewerb zwischen zwei verschiedenen Visionen der Zukunft der katholischen Kirche zuzulassen. Es geht nicht darum, dass „Rom sich vom Modernismus abwendet“, oder „die Piusbruderschaft das Konzil anerkennt“, sondern dass die verschiedenen Vorstellungen frei miteinander innerhalb der Kirche konkurrieren können. Und dann werden wir die Früchte sehen. Wir werden sehen, wie sich die modernistischen und traditionellen Teile und alle, die in diesem Spektrum irgendwo dazwischen stehen, weiter entwickeln. Wir werden sehen, wo Heiligkeit, Liebe zu Gott, der Kirche und dem Nächsten am besten gedeihen.

Wir werden sie an ihren Früchten erkennen. Der erste Schritt auf diesem Weg ist mit der Wiederzulassung der traditionellen Messe durch Summorum Pontificum geschehen. Man muss diesen Weg jetzt entschlossen weitergehen und das „Experiment der Tradition“, nach dem der Erzbischof bereits 1980 gerufen hat, zulassen. In diesem Geiste sollte eine Einigung mit der Piusbruderschaft möglich sein. Bietet ihnen dieses Experiment an. Lasst sie einfach gewähren. Lasst sie glauben und lehren, was sie immer geglaubt und gelehrt haben, wo, wie und wann sie wollen. Lasst sie das Konzil, den Ökumenismus und all die anderen Punkte weiter kritisieren, wie bisher. Lasst sie weltwert ungehindert operieren. Doch lasst es nicht bei der Piusbruderschaft bewenden. Das muss auch für die Ecclesia-Dei-Gemeinschaften, die der FSSPX verbundenen Ordensgemeinschaften und alle anderen traditionellen katholischen Gruppen gelten, die Papst Benedikt als Nachfolger Petri anerkennen und damit den Sedisvakantismus ablehnen.

Lasst es uns einfach ausprobieren, und wir werden immer besser erkennen, wo die Früchte gesund sind, und wo giftig.

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4 Gedanken zu „Ein guter Rat von Erzbischof Lefèbvre

  1. Catocon, es liegt mir fern, Wasser in Wein zu gießen. Langfristig gesehen stimme ich Dir zu. Kurz- bis mittelfristig dürfte die Situation noch schwierig sein, des ständigen Gebetes bedürfen.
    Vorausgesetzt, die neuesten Spekulationen stimmen, es kommt zur Einigung mit Rom: Die FSSPX muss mal wieder eine Krise bewältigen. Darin hat sie Erfahrung, es kann zur „Heil-Krise“ kommen, wenn diejenigen, die eine Einigung mit Rom auf keinen Fall wollen, sich endgültig trennen. Aber auch „Heil-Krisen“ müssen durchgestanden werden. Kosten Nerven, Energie. Hinzu kommt: Wieviele Kardinäle, Bischöfe, liberale Katholiken sind wirklich froh, dass die FSSPX zurückkommt? Und sie haben die Medien hinter sich. Kommt es zur Einigung, wird es erstmal ein Riesengeschrei geben. Weltweit. Gegen den Papst und die Heimgekehrten. Papst Benedikt weiß es, Bischof Fellay auch. Trotzdem muss so etwas menschlich verkraftet werden.
    Die „Konzilskirche“ wird sich zusammen mit den Medien aufbäumen. Obwohl die Priesterbruderschaft St. Pius X. so klein ist…
    Sie kann ja in Deutschland fast nicht die ans Konzil angepasste Petrusbruderschaft ertragen. Ein kleines Beispiel: Ein bekannter Pater berichtete, dass es Bischöfe gibt, die sich bewusst zur Seite drehen, einen „Petrusbruder“ nicht grüßen. Er trägt die Soutane, er passt nicht ins Bild dieser Kirche. Dass Bischöfe trotz Priestermangels die gut ausgebildeten Priester der Petrusbruderschaft nicht wirken lassen, ist bekannt. Sollte die konzilskritische Pius-Bruderschaft dazukommen, Teile der Konzilskirche rasten aus. Vielleicht sogar einige Kurienkardinäle…
    Die Ablehnung der Tradition, die bis zum Hass reicht, ist nicht zu leugnen.
    Trotzdem: Jeder lange Weg beginnt mit den ersten Schritten. Und führt zum Ziel, auch wenn es weit ist.

    • Cuppa,
      der Aufschrei der „üblichen Verdächtigen“ wird groß sein, das ist richtig. Aber es gibt auch die Kehrseite der Medaille, dass die bereits vorhandenden traditionellen Kräfte in der Kirche durch eine Einheit mit der FSSPX gestärkt und ermutigt werden, sozusagen „aus ihren Löchern kriechen“.
      Welche Tendenz sich am Ende als stärker erweisen wird, weiß ich natürlich nicht. Es wird ein großer Kampf werden. Wer nach einem halben Jahrhundert gründlich aufräumen will, der hat viel Arbeit vor sich. Und die Arbeit wird lange dauert.
      Ich persönlich hätte nichts dagegen, wenn sich die echten Modernisten unter den Bischöfen und Kardinälen selbst demaskieren würden. Das Hauptproblem mit den Modernisten war immer, dass sie sich so geschickt zu tarnen verstanden, dass man ihnen nichts nachweisen konnte. Ein klares Gefecht, bei dem man Freund und Feind kennt, wäre da meines Erachtens schon ein Fortschritt.

      Was die Sache mit den Bischöfen, die sich von Petrusbrüdern abwenden und nicht grüßen: Hast Du da Namen? Weißt Du, um wen es sich handelt?

  2. Die Aussage habe ich auf einem Video gehört, gesehen. Falls ich mich richtig erinnere, war es Pater Deneke, aber sicher bin ich mir nicht mehr. Er sprach auch nicht davon, dass es die Regel ist, wohl aber, dass es diese Erfahrungen gibt. Er nannte keinen Bischof namentlich.
    Hinzufügen kann ich noch, dass sich der Distriktobere für Deutschland, P. A. Maußen FSSP für Spenden bedankt und gleichzeitig geschrieben hat, dass die FSSP weiter Spenden braucht. Weil ihre Arbeit nicht ausreichend von den Bischöfen bezahlt wird. Der Bief lag mir vor.

    • Cuppa,
      so etwas ist jedenfalls, wer auch immer es macht, eine Schande. Da leisten die Petrusbrüder unschätzbare Dienste für die Kirche, und werden dafür von Bischöfen geschnitten. Schlimm, aber nicht mehr verwunderlich.

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