Mut zum Patriarchat

Wir leben in der „vaterlosen“ Gesellschaft. Wenn es ein Merkmal gibt, das unsere moderne, westliche Gesellschaft sowohl von ihrem Wesen her als auch in vielen ihrer individuellen Ausprägungen treffend zu charakterisieren vermag, dann ist es wohl die Vaterlosigkeit.

Wir haben uns seit der Französischen Revolution von der Monarchie als normaler Staatsform verabschiedet. Die noch verbliebenen europäischen Monarchen sind eigentlich Aushängeschilder ohne echte politische Macht. Sie hängen von der Gnade gewählter Parlamentarier ab, die sie jederzeit endgültig abschaffen könnten, wenn ihnen gerade danach wäre. Wir haben die Könige praktisch kastriert, wenn wir sie nicht gerade im Eifer aufklärerischer Befreiung aufgeknüpft, oder, nach dem berühmten Vorschlag des Voltaire*, mit den Innereien des letzten Priesters erdrosselt haben. Der Fachbegriff dafür ist Demokratisierung.

Der Kampf gegen den Vater als Haupt der Familie ist durch den modernen Feminismus weitgehend erfolgreich abgeschlossen worden. Der Sirenengesang der Ideologie hat Millionen Frauen dazu verführt, mehr ihrer „Selbstverwirklichung“ nachzuhängen, als ihrer unverzichtbaren Rolle als Herz ihrer Familie. Zugleich ist durch den innerfamiliären Egalitarismus eine Generation von Männern herangezogen worden, die ihre Rolle als Haupt der Familie, als echter Vater, gar nicht mehr wahrnehmen kann, weil ihr dazu die charakterliche Stärke fehlt. Die traditionelle Familie ist längst kein Leitmodell mehr; in vielen Landesteilen hat sie bereits den Charakter einer ungeliebten Seltsamkeit. Der Vater ist höchstens noch eine Lachfigur. Immer mehr Kinder wachsen, mit teils schwerwiegenden Folgen, ohne Vater auf.

Auch in der Kirche ist der Vater nicht mehr Gegenstand hohen Ansehens. Väter gibt es in der Kirche viele – angefangen beim Heiligen Vater. Aber auch der einfache Pfarrer oder Pastor ist durch seinen priesterlichen Dienst der geistliche Vater seiner Gemeinde. Die katholische Kirche hat kaum noch priesterliche Berufungen. Viele Priester beschäftigen sich lieber mit Ungehorsamsaufrufen, statt sich um das Wohl ihrer geistlichen Kinder zu kümmern. In der breiteren Gesellschaft, aber auch unter Katholiken, ist eine Mischung aus Gleichgültigkeit und Feindseligkeit gegenüber Priestern längst hoffähig geworden. Die Rolle der Priester soll immer weiter eingeschränkt werden. Laien, auch Frauen, sollen viele der Tätigkeiten übernommen, die traditionell Klerikern, geistlichen Vätern, vorbehalten waren. Selbst die Gemeindeleitung wird inzwischen zunehmend von Laien übernommen, weil es an Priestern mangelt, aber auch weil die Ideologie es so will.

Über aller Vaterlosigkeit der modernen Gesellschaft steht als Wurzel des Übels die eine Vaterlosigkeit, von der alle weltliche Vaterlosigkeit ihren Namen hat: Die Abwesenheit Gottes, sozusagen des ultimativen Vaters, in den Herzen der Menschen. Nicht, dass die Mehrheit überhaupt nicht mehr an Gott glauben würde – weit gefehlt. Umfragen zeigen immer wieder, dass die meisten Menschen an irgendwelche schattenhaft vorgestellten übernatürlichen Wesenheiten glauben, und immer noch mehr als 50% bringen diese diffusen Vorstellungen in Verbindung mit dem Wort „Gott“. Doch der christliche Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist, ist dem modernen Menschen definitiv zuviel.

Dabei ist auffällig, dass der Sohn, Jesus Christus, immer noch eine gewisse sentimentale Zuneigung hervorruft. Selten wird er abgelehnt, meist möchte man ihn eher vereinnahmen. Als netten Menschen ist man bereit ihn zu tolerieren, solange er sich wohlfeil verhält, und nicht aus der Rolle fällt. Auch der Heilige Geist ist nicht allzu unpopulär. Aber der Vater? Der mit den ganzen Geboten? Der, von dem alle Autorität auf Erden stammt?

Die moderne westliche Gesellschaft flüchtet vor dem Himmlischen Vater und allen kleinen, weltlichen, irdischen Vätern, die einen winzigen Teil seiner Vaterschaft übertragen bekommen haben. Sie führt einen Stellvertreterkrieg gegen echte, starke Väter in Politik, Gesellschaft und Familie, weil wir an den einzig wahren Vater nicht herankommen. Wir spucken auf die Abbilder, weil das Urbild unerreichbar ist.

In dieser Situation braucht der Christ „Mut zum Patriarchat“. Das Wort kommt aus dem Griechischen und bezeichnet die Herrschaft des Vaters. Die ganze Schöpfung ist ein riesiges Patriarchat: Gott-Vater hat sie geschaffen und er regiert sie bis heute, auch wenn die Menschen gegen ihn rebelliert haben und dies mit Freuden immer noch tun.

Auch die Kirche ist ein Patriarchat. Das wahre Oberhaupt der Kirche ist der himmlische Vater. Der bis in den Tod gehorsame Sohn hat sie gestiftet, und alles was der Sohn tut, kommt vom Vater. Vom Sohn hat Petrus, der Fels, die Leitung der Kirche übertragen bekommen. Bis heute ist das sichtbare Oberhaupt der Kirche der geistliche Vater aller Katholiken und sie sind gerufen, der legitimen Autorität dieses Vaters zu gehorchen. Die Kirche ist keine egalitäre, sondern eine patriarchalische Institution.

Das ist kein Vorwurf, sondern ein Kompliment.

Dasselbe gilt für die Familie. Auch sie ist nicht egalitär, sondern patriarchalisch. Auch in ihr ist der Vater das Haupt. Er vertritt mit seiner väterlichen Autorität die väterliche Autorität Gottes. Die Familie ist bekanntlich immer auch eine kleine Kirche (ecclesiola) und wie in der „großen“ Kirche gibt es in ihr geistliche Autorität, Hierarchie und Leitung.

Auch das ist kein Vorwurf, sondern ein Kompliment.

Im Staat ist prinzipiell auch eine demokratische Regierungsform legitim; es gibt hierzu keine verbindliche lehramtliche Festlegung. Trotzdem kann man wohl kaum leugnen, zumindest als Ideal, dass der katholische Monarch eine Figur ist, die sehr gut in die hier beschriebene patriarchalische Ordnung passt. So wie der göttliche Vater seine Schöpfung und der Heilige Vater seine Kirche und der Familienvater seine Familie zu leiten hat, so obliegt auch dem katholischen Monarchen die Leitung seines Volkes. Das Ausmaß der Autorität, und ihre jeweils konkrete Ausprägung variiert natürlich mit den Aufgaben, die ihr übertragen sind, doch immer bleibt es eine Autorität, und nie ist diese Autorität unpersönlich-neutral, sondern persönlich, väterlich, nach dem Bilde Gottes.

Alle Autorität kommt von Gott – man kann sie missbrauchen, doch selbst dann kommt sie noch von Gott. Selbst wenn man dem Träger dieser Autorität aufgrund des Missbrauchs den Gehorsam verweigern muss. Und weil sie von Gott kommt, und weil Gott Vater ist, ist Autorität ihrer Natur nach väterlich. Deswegen spricht man ja auch von „Herrschaft„. Selbst die Feministen sprechen nicht von „Frauschaft“ oder „Damenschaft“.

Nun ist es ein ganz besonderes christliches Faktum, dass jede Herrschaft immer eigentlich Dienst ist. Gott ist hier wieder das Urbild. Wir, seine Geschöpfe, sündigen, beleidigen und verhöhnen ihn. Und was tut er? Ja, er straft uns. Er ist ein gerechter Gott, und Strafe muss sein. Doch er tut mehr. Er schickt seinen eigenen Sohn. Gott selbst nimmt Menschengestalt an, demütigt sich, entäußert sich, lässt sich zu Tode foltern und ans Kreuz schlagen, besiegt den Tod und öffnet uns den Weg zurück zu ihm. Er ist der Herr. Doch als guter Herr opfert er sich für seine Diener.

Weil alle Autorität väterlich ist und von Gott kommt, ist jeder Vater, jeder, der Autorität hat, dazu gerufen, sich ebenso zu verhalten. Auch er soll sich hingeben für seine „Diener“. Auch er soll nicht um seines eigenen Vorteils willen herrschen, sondern für die seiner Herrschaft oder Autorität anvertrauten Personen. Auch er soll sich demütigen und entäußern, wenn sich dies als notwendig erweist.

So ist ein Christliches Patriarchat nicht einfach die Herrschaft der Väter, sondern auch die Herrschaft der Diener.

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* Anmerkung: Ich wurde in einem Kommentar darüber aufgeklärt, dass der Satz ursprünglich gar nicht von Voltaire stammt, sondern von einem katholischen Priester (!) namens Jean Meslier, der materialistische und atheistische Religionskritik schrieb. Anscheinend ändern sich die Zeiten nie… Solche Priester hatten wir schon immer.

23 Gedanken zu „Mut zum Patriarchat

  1. Mal wieder sehr lesenswerte Gedanken! Das Zitat mit den „Innereien“ stammt allerdings nicht von Voltaire selbst sondern vom katholischen Priester (!) Jean Meslier (1664-1729), der als Frühaufklärer eine stark von Materialismus und Atheismus beeinflußte Kritik an Kirche und Religion verfaßte. Voltaire trieb später ein Manuskript Mesliers auf und veröffentlichte/verbreitete es.

    • Alipius,
      danke für die Ergänzung und die Korrektur! Ich hatte zwar die dunkle Ahnung, dass der Satz nicht direkt von Voltaire stammte (obgleich er ihm sehr oft zugeschrieben wird), aber dass er von einem Priester kam, war mir überhaupt nicht bekannt.

  2. Falsch, die Kirche hat nie einen derartigen Vaterkult betrieben wie sie den Mutterkult betrieben hat. Selbst Josef wurde nie im selben Maße verehrt wie Maria. Und wenn man sich mal ein bisschen mit dem Bild des Vaters in früheren Zeiten auseinandersetzt, kommt man sehr schnell dahinter: Väter waren nie besonders als Erzieher ihrer Kinder aufgetreten, sondern nur dann gefragt, wenn die Mutter nicht mehr weiterkam. Dann wurde (und wird immer noch) gerne der Vater als Drohkulisse aufgebaut, vor der die Kinder zu zittern haben. Good Cop, Bad Cop als Familienspiel. Bei dem die Mutter noch den Vater als den Bösen darstellen kann und sich selbst als tugendhafte, gute Mutti, die nie damit gerechnet hätte, das Vaters Strafe so hoch ausfällt . Auch finden wir sehr oft das BIld des Mannes als dem Ernährer der Familie, der ansonsten unter dem Pantoffel der Ehefrau steht und sich gegen sie nicht durchsetzen kann. Man sollte nicht denken, dass etwa der häufige Cartoongag des vor seiner nudelholzschwingenden Ehefrau flüchtenden Mannes von Ungefähr käme.

    In diesem Zusammenhang sollte nicht unerwähnt bleiben, dass wir ja schon öfters über die Unauflösbarkeit der Ehe sprachen. Schaut man sich mal die wichtigste päpstliche Enzykla zu diesem Thema an (Casti Connubii), stellen wir ebenfalls fest, dass die Ehe in erster Liinie die Frau absichern soll, damit sie den Rücken für die Kindererziehung frei hat und von der Last der Erwerbsarbeit frei ist und auch sicher sein kann, dass dieser Zustand auch über die Kindererziehungsphase hinaus beibehalten wird. Väterlichkeit – und damit meine ich mehr als das Familieneinkommen zu erwirtschaften – wurde nie im selben Maße von der Kirche gefördert wie Mütterlichkeit. Auch in katholischen Ländern gilt es als wenig männlich, wenn der Mann um seiner Kinder willen auch mal in der Erwerbstätigkeit zurücksteckt und die Erziehung geteilte Aufgabe ist. Das ändert sich erst langsam

    Will man starke Väter, die für ihre Kinder da sein können – und zwar so, wie die Kinder es brauchen – muss man die Männer zu allererst davon befreien, nur als Knecht Ruprecht in der Erziehung eine Rolle zu spielen und davon, in erster LInie die Ernährerolle einnehmen zu müssen. Dann können sie sich auch richtig Zeit für ihren Nachwuchs nehmen und diesem ein Vorbild sein. Natürlich muss auch das Mütterprimat im Scheidungsrecht beseitigt werden. Es gibt Studien die belegen, dass Kinder alleinerziehender Väter wesentlich seltener auffällig werden als Kinder alleinerziehender Mütter. Was zur Folge haben sollte: Gebt die Kinder im Zweifel zu ihren Vätern!

    Die Vaterlosigkeit ist in Deutschland wesentlich schlimmer ausgeprägt als in anderen europäischen Ländern, was damit zu tun hat, dass wir immer noch den nationalsozialistischen Mutterschaftskult in den Köpfen haben. Die idealisierte, treusorgende Mutter als Nationalikone hat wenig mit der Realität zu tun. Du siehst also: Das ist eine politische Sache, bei der es noch viel Arbeit gibt. Aber es gibt eine Besserung in Deutschland. Immer mehr Väter nehmen Elternzeit, immer mehr Väter bekommen nach einer Scheidung die Betreuung für die Kinder zugewiesen, immer mehr nichteheliche Väter bekommen auch dann das Sorgerecht, wenn die Mutter das nicht möchte. Aber viel Arbeit bleibt trotzdem noch, bis Väter eine gleichberechtigte Rolle in der Erziehung spielen und so sein können, wie ihre Kinder sie brauchen – und, das kann man nicht oft genug wiederholen, das heißt eben mehr als Ernährer sein.

    • Oliver,
      ich sehe keinen Grund, die falsche Ideologie des Feminismus durch die ebenso falsche Ideologie des Maskulismus zu ersetzen. Ebenso halte ich es für völlig verfehlt, eine „gleichberechtigte Rolle“ der Väter in der Erziehung anzustreben. Vater und Mutter sind verschieden, weshalb sie auch verschiedene Aufgaben in der Familie spielen sollten. Die Gleichmacherei in der Familie ist eines der Grundübel unserer Zeit. Das Schüren von Ressentiments gegen Väter (durch Feministen) oder Mütter (durch ihr männliches Gegenstück) ist ein weiteres Grundübel.
      Zudem ging es in dem Artikel nicht um Väter- oder Mütterkult, sondern um das Patriarchat. Patriarchat bedeutet Herrschaft des Vaters – nicht Kult um den Vater.

      • Es geht hier nich um Maskulismus oder Feminismus, es geht darum, dass Kinder auch ihre Väter als ERZIEHER brauchen und eben nicht als bloße Ernährer. Am besten funktioniert das eben in einer Gesellschaft, die von den traditonellen Rollenbildern in der Familie frei ist – und entsprechend keine traditionellen Rollenverteilungen in der Familie mehr kennt. Wenn da erst eine kritische Masse erreicht ist, die sich davon befreit hat, werden die Kinder schon von selbst Fragen stellen, warum etwa immer nur Mama dieses oder jenes macht und das sie es aber auch mal mit Papa machen würden. Wenn Herrschaft des Vaters letztlich nur bedeutet, der Frau die Erziehung zu überlassen und sich mit der traditonellen Rolle abzufinden, dann sollte sie abgelehnt werden.

        • Oliver,
          naja, Eltern haben ihre Kinder schon immer erzogen, manche besser, manche schlechter – ganz ohne „Studien“ von oft kinderlosen „SoziologInnen und PädagogInnen“. Die traditionellen Rollenmodelle haben sich dabei bewährt. Die sozialrevolutionäre Zerstörung der traditionellen Familie in den letzten Jahrzehnten mag Deine Zustimmung finden – wie Du ja immer wieder in vielen Kommentaren zum Ausdruck gebracht hast. 2000 Jahre christliche Überlieferung, und eine viel längere menschliche Tradition einfach so über den Haufen zu werfen, weil irgendwelche ideologisch gefärbten „Studien“ von Sozial-„Wissenschaftlern“ wieder einmal das Utopia der Perfektion versprechen, wenn man nur mit den alten Bräuchen und Traditionen bricht, halte ich allerdings für absurd. Vor allem, weil das schon so oft in die Hose gegangen ist.

          Und solange Deine „kritische Masse“ von kulturlosen Barbaren nicht, wie heute, durch zwangsweise Indoktrination in staatlichen „Schulen“ entsteht, in denen Kinder nichts mehr lernen, außer „Rollenmodelle kritisch zu hinterfragen“, kann diese „kritische Masse“ gern versuchen, das tausendste Utopia des Egalitarismus zu errichten.

          Die Trümmer können sie dann aber auch selbst wegräumen.

          • Es war auch lange üblich, Sklaven zu hatlen. Es war normal. Bis irgendwann jemand anfing Fragen zu stellen und zu meinen, dass es eben nicht richtig ist, auch wenn man es schon ewig praktiziert hat. Es ist teilweise bis heute ein anerkanntes Erziehungsmittel, gerade in „christlichen“ Kreisen, Kinder durch Schläge zu erziehen statt durch ein positives Beispiel. Aber auch da lernen wir dazu. Und genauso ist auch die traditionelle Familie, ob mit oder ohne 2000 Jahre christliche Überlieferung, etwas, das in Frage gestellt wird und über kurz oder lang durch andere Familienformen ersetzt wird. Nur weil etwas „schon immer so gemacht“ wurde, heißt das nicht, dass es richtig ist und heißt das auch nicht, dass man es unhinterfragt zu akzeptieren hat.

            • Viel Spaß in der egalitaristischen Utopie!

              Was das dazulernen in den Erziehungsmethoden betrifft: Unsere Kinder (die wenigen, die wir nicht aus Bequemlichkeit vorgeburtlich ermordet haben) sind ja so wunderbar wohlerzogen, man glaubt es kaum.
              Einfach nur lächerlich diese Fortschrittsgläubigkeit.

              • Ich stütze mich lieber auf wissenschaftlich abgesicherte Erkenntnisse als auf Tradition. Tradition kann auch falsch sein, und ich sehe nicht, warum es schlecht sein soll, wenn Väter mehr erziehen als sie es bisher getan haben. Im schlimmsten Fall haben sie mehr Zeit mit ihren Kindern verbracht als sie es sonst getan hätten, ohne dass sich das positiver als im bisherigen Modell ausgewirkt hätte.

                • Credis in unam scientiam. Ego autem, credo in unum Deum.

                  Wie gesagt, mich verblüfft nach zwei Jahrhunderten der Wissenschaftsgläubigkeit immer wieder, wie die Leute trotz allem immer noch glauben können, die „Wissenschaft“ verfüge, außerhalb der naturwissenschaftlichen Disziplinen, über privilegiertes Wissen. Die Sozialwissenschaft vermag zwei Arten von Aussagen zu treffen: Die einen sind trivial und wahr; die anderen sind inhaltsreich, interessant, neuartig, verblüffend und falsch. Das lehrt die Erfahrung.

  3. Danke, du gehst nicht auf das Argument selbst ein, sondern verteidigst nur die traditionelle Rollenverteilung. Weil die sich bewährt hat. Das es für die Kinder aber gut sein kann, wenn die Eltern beide arbeiten gehen und sich beide im gleichen Umfang um die Kinder kümmern, kommt dir anscheinend nicht in den Sinn. Väter haben einen anderen Zugang zu ihren Kindern, der aber nicht weniger wichtig ist. Es ist nun wirklich nachgewiesen, dass es für die Kinder gut ist, wenn der Vater sich viel um sie kümmert und zwar im Sinne von Betreuung und Erziehung. Du propagierst hier nichts anderes als Mutterkult.

    • Du propagierst leider nichts anderes als die üblichen egalitaristischen Dummheiten. Was „Argumente“ betrifft, fehlen die leider bis auf die Zurschaustellung einer Wissenschaftsgläubigkeit, die nun gerade am Felde der Sozialwissenschaft überhaupt nicht zu rechtfertigen ist, nahezu völlig. Du behauptest einfach, es wäre für Kinder besser, wenn die natürliche Rollenverteilung durch egalitaristische Konzepte ersetzt würde. Behauptung entspricht aber noch keinem Argument.
      Ich betreibe überhaupt keinen Kult, bis auf den Kult, den ich in der Kirche Gott, dem Herrn, darbringe.

      • Übrigens empfiehlt auch die Bibel Vätern, ihre Kinder selbst zu erziehen. Wohlwissend, das Männer ihren Kindern Qualitäten beibringen können, die die Mutter im Normalfall nicht beibringen kann. Weil die Geschechter wie du richtig sagst verschieden sind. Gerade Söhne sind aber deshalb darauf angewiesen, dass der Vater das Feld nicht der Mutter überlässt. Dazu braucht es aber eben Väter, die sich nicht mit der Ernährerrolle zufriedengeben. Und von denen gibt es jetzt immer mehr.

        • Naja, wenn die Bibel es schon empfiehlt, dann wird es ja nicht anti-traditionell sein… Natürlich brauchen Kinder auch ihre Väter. Niemand, schon gar nicht ich, redet einem Vater das Wort, der sich nur allein auf den Broterwerb beschränkt und an seiner Familie überhaupt keinen Anteil nimmt. (Wo du das in meinem Artikel oder einem meiner Kommentare gefunden haben willst, weiß ich auch nicht.) Natürlich soll der Vater Anteil an seiner Familie nehmen, und auch innerfamiliär seine Vaterrolle wahrnehmen. Doch das tut er nicht durch Nivellierung der Unterschiede zwischen Mann und Frau und auch nicht durch Doppelverdienerfamilien (in denen meist niemand mehr wirklich Zeit für die Kinder hat, die dann frühzeitig in Krippen verwahrt werden…), sondern indem er wirklich das Haupt seiner Familie ist, was bedeutet, dass er eine bestimmende Funktion einnimmt, als Beschützer seiner Familie agiert (und damit automatisch schon Vorbildfunktion für seine Söhne übernimmt), usw. Wäre gar kein Broterwerb erforderlich, so wäre es ideal, wenn auch der Vater ganz für seine Kinder da sein könnte, wie die Mutter es traditionell schon sein sollte, so es denn finanziell irgendwie machbar ist. Doch in der Erwerbsgesellschaft geht das leider nicht, es sei denn, man wollte die Mutter, das Herz, aus der Familie herausreißen, wie Du scheinbar befürwortest.

          • Und genau das ist schon wieder ein Trugschluss: Es war nie Tradition, dass die Mutter zu Hause blieb. Die Hausfrauenehe war ab dem späten 19. Jahrhundert und dann noch mehr im Nationalsozialismus und nach dem Krieg im Wirtschaftswunderland ein Statussymbol. Bis weit ins 19. Jahrhundert war das gar nicht finanzierbar. Tatsächlich hat erst die Kleinfamilie überhaupt die Probleme verursacht, vor denen wir heute stehen. Richtig wäre die Rückkehr zur Mehrgenerationenfamilie. Es gab früher z. B. weniger überlastete Mütter und Väter. Nicht deshalb, weil einer zu Hause bleiben konnte, das ging nämlich finanziell nicht und die Hausfrau und 24h-Mutti ist oft genauso geschafft wie die Karrieremutti. Damals haben die Großeltern im Rahmen der Generationenarbeitsteilung nämlich in der Arbeitszeit der mittleren Generation die Kinderbetreuung übernommen und dann konnten die Eltern sich BEIDE um ihren Nachwuchs kümmern. Weil man wusste, dass die aktuelle Elterngeneration damit überfordert sein muss, das Brot zu erwerben und die Kinder auch noch ohne jede Unterstützung aufzuziehen. Deshalb finde ich es auch gut, dass die Regierung eben auch Vätern ermöglicht, Elternzeit zu nehmen (und auch werde sie, wenn ich Nachwuchs habe, selbstverständlich möglichst zur Hälfte in Anspruch nehmen) und jetzt eben auch die Großelternzeit einführen will. Noch optimaler ist es, dann Kinder zu kriegen, wenn die eigenen Eltern bereits in Rente gegangen sind, um die Kinder tagsülber bei der eigenen Familie in Betreuung geben zu können. Fremdbetreuung finde ich auch suboptimal.

            • Oliver,
              natürlich ist die „Hausfrauenehe“ erst im 19. Jahrhundert üblich geworden. Vorher war es mehrheitlich üblich, dass Großfamilien als Bauern auf dem Land lebten. Da alle Familienmitglieder, inklusive der kleinen Kinder, sobald sie konnten, auf dem Hof mitarbeiten mussten, stellte sich die Frage der Erwerbstätigkeit im heutigen Sinn gar nicht. Doch mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert und der daraus folgenden Urbanisierung kam die Frage plötzlich auf. Der bäuerlich-großfamiliäre Lebensstil, den ich ebenfalls für den letztlich dem Menschen angemessensten halte, brach mit den ökonomischen Verschiebungen dieser Zeit zusammen. Schnell war jedoch klar, dass, wenn überhaupt jemand eine Erwerbstätigkeit im modernen Sinn übernehmen musste, dies allenfalls für den Vater sinnvoll war. Die Hausfrau wurde daher zum Standard, zunächst für eher wohlhabende Bürgerschichten, da die vom Pauperismus betroffenen Arbeiterschichten sich das wirtschaftlich nicht leisten konnten. Angesichts zunehmenden Wohlstands hatten Arbeiter im frühen 20. Jahrhundert mehr und mehr die Möglichkeit, dieses bürgerliche Modell zu übernehmen. Die meisten taten es.
              Vor der Industrialisierung war die Hausfrau im modernen Sinn des Wortes inexistent, weil Arbeitsplatz und Wohung/Haus/Hof ein und derselbe Ort waren. Unter den geänderten Bedingungen der Erwerbsgesellschaft wurde die Trennung von Wohnen und Arbeiten zur Regel. Um das wirtschaftliche Überleben der Familie sicherzustellen, war es notwendig geworden, einer aushäusigen Erwerbstätigkeit nachzugehen. Wo man es sich leisten konnte, wurde es normal – aus guten Gründen, die auch heute noch gelten, und die oftmals auf diesem Blog und anderswo dargelegt worden sind – dass die Mutter als Hausfrau tätig wurde und diese Rolle allein übernahm, während der Vater einer Erwerbsarbeit nachging. Zunächst konnten sich das nicht viele leisten, doch es war auch unter denen, die es sich nicht leisten konnten, das erstrebte Ideal, das immer mehr auch in unteren sozialen Schichten selbstverständlich wurde, sobald der wachsende wirtschaftliche Wohlstand dies zuließ.
              Statt die Trennung von Arbeit und Wohnen als großes Übel zu begreifen, ist die Erwerbstätigkeit außerhalb des Hauses inzwischen durch feministische Ideologie zum Statussymbol der „Emanzipation“ stilisiert worden, und hat das Ideal der traditionellen Familie, das sich freilich in unterschiedlichen ökonomischen Situationen notgedrungen nicht immer verwirklichen ließ, und das durch gesellschaftliche Transformationen wie die Industrialisierung in seinen Akzidenzien Veränderungen erfahren hat, wenn auch vor Aufkommen des Feminismus niemals an seinem Wesen in Frage gestellt worden ist, praktisch abgelöst. In einer vernünftigen christlichen Gesellschaft, die sich immer noch an dem Modell der traditionellen Familie (dessen paradigmatisches Ideal die präindustrielle Großfamilie bzw. der Hof bleibt) orientieren wollte, müsste die erneute Zusammenführung von Wohnen und Arbeiten, die durch moderne Kommunikationstechnologien für immer mehr Menschen wieder in greifbare Nähe rücken könnte, absolute Priorität haben. Es müsste ein gesellschaftlicher Zustand erreicht werden, in dem notwendiger wirtschaftlicher Erwerb nicht mehr mit einer großen räumlichen Trennung von Heim und Familie einherginge, sondern mittels moderner Kommunikationstechnologien vom heimischen Schreibtisch ablaufen könnte, und daher die Erziehung von Kindern nicht mehr und nicht weniger behinderte, als die gemeinsame Feldarbeit vor der Industriellen Revolution. In einer solchen Gesellschaft wäre ich Deinem Anliegen stärkerer Einbeziehung der Väter in die alltägliche Erziehung sehr aufgeschlossen. Doch von diesem Ideal sind wir noch weit entfernt, und ich sehe nicht, dass es energisch gefördert würde. Solange dieses Ideal nicht für die Masse der Menschen möglich geworden ist, lehne ich die Aufweichung der Trennung zwischen Hausfrau und Ernäher prinzipiell ab, weil, wenn schon nicht beide Elternteile, doch mindestens eines, und dann besser die Mutter, für die Kinder da sein sollte. Ich hoffe, ich habe mich jetzt klarer ausgedrückt.

              • Ja, das hast du. Nichtsdestotrotz ist es für die Kinder förderlich, wenn auch der Vater sich eben viel um seinen Nachwuchs kümmert und es ist sogar nachgewiesen, dass sich eine gute Vaterbeziehung positiv auf die psychische Stabilität des Kindes auswirkt, wenn es erwachsen ist. Wenn das Elterngeld dem Vater ermöglicht, dass er eine Zeitlang für sein kleines Kind zu Hause bleiben kann und die Mutter auch erwerbstätig ist, ist das positiv zu bewerten. Dem Kind „droht“ im schlimmsten Fall (ich setze jetzt mal voraus, dass dem Vater zumindest halbwegs was am Wohle des Kindes liegt und er die freie Zeit nicht zum Nichtstun oder gar Saufen oder schlimmerem missbraucht – vor dieser Möglichkeit verschließe ich nicht die Augen, aber auch die Mutter kann so handeln) nur, mehr Zeit mit seinem Vater zu verbringen als es sonst der Fall gewesen wäre. Ein bisschen weniger Karrieredenken tut ohnehin gut (Menschen, die ihre Energie nur noch in die Karriere stecken haben ohnehin ein größeres Risiko von Herzinfarkten in spätereren Jahren) und für die Kinder ist es auch wohltuend. Ich sehe also auch unter den heutigen Gegebenheiten kein Problem mit mehr väterlicher Betreuung. Im Gegenteil: Das stärkt die Vater-Kind-BIndung. Was wiederum positive Auswirkungen auf die psychische Stabilität hat, aber das sagte ich ja schon.

                • Oliver,
                  da haben wir, jetzt beiderseits verständlich mit Argumenten dargestellt, eine klare Meinungsverschiedenheit. Im Prinzip ist es gut, wenn der Vater enger und alltäglicher im Erziehungsprozess mitmachen kann, und wir sind uns auch einig, dass allen – Männern wie Frauen – weniger Karrieredenken gut täte. Darüber hinaus trennen sich inhaltlich unsere Wege.

          • Einfach mal aus lebendiger Erfahrung: Die Frau einigt sich mit dem Mann wie die Kinder erzogen werden. So viel muss ein Mann gar nicht reden und tun, man versteht sich wortlos – zumal die kleinen dauernd reden. Taten nicht Worte sind entscheidend. Die unschuldigen Augen des Kindes saugen den Vater genauso in ihre Seele wie die Mutter. Und hören tun die kleinen schon, erzogen ebenso. Man muss nicht ständig um sie herum gackern. Allein das der Vater arbeiten geht zeugt schon von etwas, das wirkt.

            Templarii

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